Mecklenburg ist Wasserland: die Mecklenburgische Seenplatte reiht Tausende Seen aneinander, dazwischen Alleen, Gutshäuser und Backsteinstädte. Fürs Motorrad ist das ein Rollrevier — flach, weit, verkehrsarm, kein Kurvengebirge. Wer hier Schräglage am Stück sucht, sucht falsch; wer lange Landstraßen am Wasser, Kultur an jeder Ecke und Fahren ohne Hektik will, ist richtig. Diese Seite bleibt im Binnenland — die Küste liegt bei den Nachbarrevieren Ostsee, Rügen und Usedom.
Die Müritz und ihr Nationalpark – ums größte Binnenwasser

Die Müritz ist der größte See, der vollständig in Deutschland liegt — der Bodensee ist größer, gehört aber drei Ländern — und bildet das Herz der Seenplatte. Ihr Ostufer säumt der Müritz-Nationalpark mit Buchenwald, Mooren und Röhricht, in denen Seeadler brüten und im Herbst Tausende Kraniche rasten, bevor sie nach Süden ziehen. Die Uferstraßen führen selten direkt am Wasser entlang, sondern durch Wald und über offene Feldflur: Rollstrecke mit weiten Blicken, wenig Verkehr und kaum Kurven — Aussicht statt fahrerischem Anspruch.
Waren, Röbel und Malchow – die Städte am Müritzufer

Waren (Müritz) ist der Hauptort am Nordufer, mit Altstadt, Hafenpromenade und dem Müritzeum, einem Naturerlebniszentrum mit großem Süßwasseraquarium — der beste Stopp, wenn es regnet. Röbel am Westufer ist kleiner; seine beiden Kirchtürme sind schon von weitem über dem See zu sehen. Malchow liegt als Inselstadt mitten in der Seenkette, eine historische Drehbrücke verbindet die Altstadtinsel mit dem Ufer, darüber das alte Kloster. Zwischen den drei Orten fährt man klassische Seenplatten-Etappen: geradeaus, ruhig, den See mal links, mal rechts.
Plauer See, Nossentiner Heide und Sternberger Seenland – das stille Binnenland

Westlich der Müritz schließt der Plauer See an, einer der größten der Platte, mit dem Städtchen Plau am See und seiner alten Hubbrücke am Ausfluss. Nördlich davon dehnt sich der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide — Kiefernwald, Heide und versteckte Seen um Krakow am See, kaum befahren und ideal für Umwege abseits der Hauptachsen. Weiter westlich liegt der Naturpark Sternberger Seenland um Sternberg, bekannt für seine tertiären Fossilien im eiszeitlich verfrachteten „Sternberger Gestein". Beides sind Zonen zum Trödeln, nicht zum Strecke-Machen.
Mecklenburgische Schweiz – die kurvige Ausnahme mit Renntradition

Wer im flachen Mecklenburg Kurven sucht, findet sie südöstlich von Güstrow in der Mecklenburgischen Schweiz um Teterow und den Kummerower See, einen der größten Seen des Landes. Ein sanft gewelltes Endmoränenland aus Hügeln, Wald und Aussichtskuppen — im platten Umfeld die fahrerisch abwechslungsreichste Ecke, mit echten Kurvenfolgen statt Dauergeraden. Teterow trägt seine Motorrad-Historie im Namen: Auf dem Teterower Bergring wird seit den 1930er-Jahren traditionell zu Pfingsten Sandbahn gefahren — ein fester Termin im Kalender vieler norddeutscher Fahrer.
Ivenacker Eichen – das lebende Naturmonument

Am Ostrand der Mecklenburgischen Schweiz, bei Ivenack nahe Stavenhagen, stehen die Ivenacker Eichen: uralte Stieleichen, deren älteste auf annähernd tausend Jahre geschätzt wird und die 2016 als erstes „Nationales Naturmonument" Deutschlands ausgezeichnet wurden. Ein Baumkronenpfad führt hinauf in die Wipfel. Der kurze Abstecher lohnt auch für alle, die sonst nicht wegen Bäumen anhalten.
Schwerin – das Schloss über dem See

Im Westen liegt die Landeshauptstadt Schwerin, und über allem das Schweriner Schloss auf seiner Insel im Schweriner See — heute Sitz des Landtags und seit 2024 samt Residenzensemble UNESCO-Welterbe. Ringsum eine Kette kleinerer Seen und ruhige Uferstraßen. Als Kultur- und Pausenstopp ist Schwerin der lohnendste Halt der Region, gut über die Seenstraßen aus Osten anzufahren.
Güstrow – Barlachstadt mit Renaissance-Schloss

Nördlich der Seenplatte liegt Güstrow, geprägt vom Bildhauer Ernst Barlach, der hier lebte und arbeitete: Im Güstrower Dom hängt sein bronzener „Schwebender", die Ernst-Barlach-Stiftung zeigt sein Werk an mehreren Orten der Stadt. Das Schloss Güstrow ist einer der bedeutendsten Renaissancebauten Norddeutschlands. Die Stadt ist ein praktischer Dreh- und Angelpunkt zwischen Schwerin, dem Rostocker Umland und der Seenplatte.
Ludwigslust – Barockschloss und Kaskadenpark

Im Südwesten, südlich von Schwerin, liegt Ludwigslust — eine planmäßig angelegte Barock-Residenzstadt mit geradem Straßenraster. Das Schloss Ludwigslust steht am Kopf eines weitläufigen Landschaftsparks mit Kanälen, einer großen steinernen Kaskade und Fontäne. Berühmt ist der „Ludwigsluster Carton": kunstvoller Zierrat aus gepresster Pappe, der im Schloss teuren Stuck und Schnitzwerk ersetzte. Die schnurgeraden Alleen der Stadt sind selbst schon ein Grund herzufahren.
Feldberger Seen und Burg Stargard – der stille Osten
Im Südosten, zur Uckermark hin, liegt die Feldberger Seenlandschaft: bewaldete Höhen, klare Seen, enge Nebenstraßen — die ruhigste Ecke des Reviers, kaum Verkehr, viel Wald und Wasser, dazu ein paar kleine Kurven im Endmoränenhügel. Nordwestlich davon, bei Neubrandenburg, steht die Burg Stargard auf einem Bergsporn über dem Land, eine der ältesten und nördlichsten Höhenburgen Deutschlands. Wer Einsamkeit sucht, findet sie hier eher als am touristisch belebten Müritzufer.
Alleen und Kopfsteinpflaster – was das Fahren hier bestimmt
Zwei Beläge prägen das Fahren mehr als jede Steigung. Erstens die Alleen: Mecklenburg-Vorpommern hat nach Brandenburg den zweitdichtesten Alleenbestand Deutschlands, kilometerlange Baumtunnel, durch die auch die Deutsche Alleenstraße von Rügen Richtung Süden führt. Schön zu fahren, aber bei tiefstehender Sonne wechseln Licht und Schatten im Sekundentakt, und bei Nässe stehen die Stämme dicht am Fahrbahnrand — wenig Fehlertoleranz. Zweitens das Kopfsteinpflaster: Viele Neben- und Ortsdurchfahrten sind noch historisch gepflastert, das rüttelt, drückt das Tempo und wird bei Regen glatt. Wer beides einkalkuliert und den Tacho unten lässt, fährt in Mecklenburg so entspannt wie kaum anderswo.